Abruzzen

Abruzzen

Zwischen den Marken, Latium und Molise liegen die noch immer etwas unterschätzten Abruzzen. Wer hinfährt, entdeckt auch ein kulinarisches Juwel.

Von Mercedes Lauenstein

"L'Abruzzo ha tutto" geht ein sehr patriotisches Sprichwort der Bewohner Abruzzens, und das Land zwischen den Marken, dem Latium und Molise im Süden hat möglicherweise wirklich alles: Lange Sandstrände, hohe Berge, Baden und Wandern im Sommer, Skifahren im Winter.

L'Abruzzo ha tutto

Die Abruzzen gelten auch als der grünste Landstrich Italiens, allein vier große Nationalparks liegen hier, in keiner anderen Region gibt es so viele Landschaftsschutzgebiete. In einigen dieser Landschaftsschutzgebiete, zum Beispiel der Maiella, werden unter Verwendung des exzellenten Gebirgquellwassers des Verdes die hervorragenden italienischen Pastasorten der Hersteller De Cecco, Cocco, Rustichella d'Abruzzo, Del Verde gemacht. Klassisch ist in den Abruzzen die Pastasorte der Spaghetti alla chitarra – am besten begleitet von einem Cerasuolo d’Abruzzo, dem charakterstarken, kirschroten Rosé der Region.

Allein vier große Nationalparks haben die Abruzzen

Die Küche spiegelt die Landschaft: aus den Bergen kommen Trüffel und Pilze, außerdem die Tradition der Arrosticini, kleine Spieße mit Hammel- und seltener Lammfleisch, die auf länglichen Holzkohlegrills geröstet werden. Die Ventricina aus Teramo ist eine leicht scharfe und mit Orangenschale und Rosmarin aromatisierte streichfähige Schweinswurst im Glas.

Lange wurden die Abruzzen auch die Speisekammer Roms genannt

Lange Jahre wurden die Abruzzen nur die Speisekammer Roms genannt, weil hier alles wächst und gedeiht, was man in der Großstadt kulinarisch begehrte: Scamorza, Pecorino, die winzigen feinen Linsen aus Santo Stefano di Sessanio, Polenta und eine Salsiccia mit Fenchel und Koriandersamen. Dazu der kostbare Safran aus Navelli. In den Auslagen der Konditoren trifft man auf den halbkugelförmigen Mandel-Schokoladenkuchen Parrozzo. Doch die Region exportiert seit jeher nicht nur Zutaten, sondern auch das Handwerk: Das Bergdorf Villa Santa Maria gilt dank seiner bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Kochtradition und einer weltbekannten Hotelfachschule zu Recht als das Vaterland der Köche – La Patria dei Cuochi.

Villa Santa Maria: La Patria Dei Cuochi

Und weil in den Abruzzen bereits die süditalienische Liebe zu Peperoncino anfängt, steht auf den Tischen der Lokale oft das sogenannte Olio santo, Olivenöl, in dem die Chilischoten entweder ziehen gelassen oder für das sie direkt mit den Oliven durch die Presse gedrückt wurden. Die lokalen Chilischoten werden Diavolicchio oder Diavolillo genannt.

Brodetto Vastese und Aglio Rosso di Sulmona

An der Küste wird bis heute die alte Fischer-Tradition der Trabocchi gepflegt, lange wackelige Holzstege weit ins Meer hinein, von denen aus die Fischer ihre Netze ausbringen können ohne mit dem Boot hinausfahren zu müssen. Auf einigen dieser Stege wird der Fisch sogar noch gleich zubereitet und als eine Art Street food al mare verkauft. In den Küstenrestaurants wird die traditionelle Fischsuppe Brodetto Vastese serviert. Unbedingt probieren sollte man auch den roten Knoblauch Aglio rosso di Sulmona. Sehr einzigartig sind die vor allem zur Karnevalszeit servierten Ravioli dolci mit einer Füllung aus Ricotta, Eigelb, Zucker, Zimt, Zitronenschale, Muskat und Majoran, die mit einigen Klecksern Tomatensugo und geriebenem Parmesan serviert werden.